Es gibt seit Bestehen der Grundschule die Diskussion, ob es gut oder schlecht ist, dass die Kinder aufgrund des Alters und nicht aufgrund ihrer Leistung oder ihrer Interessen in einer Klasse sind. Die Befürworter des Altersklassensystems verweisen auf die Vorteile der gemeinsamen Sozialisierung und die Tatsache, dass Leistungsunterschiede sehr gering sind in den frühen Jahren. Die Gegner verweisen darauf, dass Leistung Teil unseres Wirtschaftssystems ist und talentierte Kinder in ihrer Entwicklung gehemmt und Kinder mit Lernschwierigkeiten eventuell überfordert werden.

Die Befürworter bekommen derzeit kräftig Unterstützung von den Soziologen. In der IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) schneiden die deutschen Grundschüler durchaus gut ab. Zwar sind in anderen Ländern noch höhere Leistungsspitzen, aber allgemein ist die Leistungsstreuung zufriedenstellend. Interessant ist ausserdem, dass Kinder aus nichtakademischen Familien oft nach der Grundschule schlechter eingestuft werden, was aber nicht an ihrer Leistung liegt. Auf der anderen Seite kann man aus der gemeinsamen Unterrichtung nicht schliessen, dass in den Klassen 5 und 6 eine Zusammenlegung nach Altersgruppen ebenfalls angebracht ist. In einigen Bundesländern wurde dies mit der Gesamtschule versucht, die meisten dieser Versuche wurden aber wieder abgebrochen.

Der deutsche Philologenverband, eine Vereinigung von Lehrern, möchte zwar bei der vierjährigen Grundschulausbildung bleiben, fordert aber eine Differenzierung nach Leistung. Die Lehrer argumentieren, das vor allem Schülern an den Leistungsober- und untergrenzen im jetzigen System keine entsprechende Förderung bekommen. Hier wird oft das Wort Bildungsgerechtigkeit genannt, dass die Person und ihre individuelle Entwicklung in den Mittelpunkt stellt.

Im Bereich der leistungsstarken Schüler kommt es mittlerweile gehäuft zur Bildung von Privatschulen. Diese sind nicht öffentlich finanziert, müssen sich aber den offiziellen Lehrplan halten. Hier spielt natürlich nicht die die Leistung eine Rolle, sondern auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern. Kritiker sehen hier Eliten entstehen, die eine gute Bildung nur erhalten, weil sie das notwendige Geld haben, und finanzschwachen Schülern trotz guter Leistung dies vorenthalten bleibt.